„Ich bremse für Tiere aber nicht für Boateng“, „82.000.000 gegen Boateng!“ „Boateng umhauen!“ In dem Internet Forum Facebook beginnt eine regelrechte Hetzjagd gegen den Fußballspieler Kevin Prince Boateng vom FC Portsmouth. Was war passiert? Im englischen FA Cup Finale am 15.5.2010 trafen der FC Chelsea und der FC Portsmouth aufeinander. Durch ein rüdes Einsteigen von Kevin Prince Boateng, bei dem er Michael Ballack am Knöchel trifft, diagnostizierten die Ärzte den Riss einer Sehne im Sprunggelenk, was seine Teilnahme an der Fußball Weltmeisterschaft in Südafrika in diesem Jahr verhindert. Das ist ohne Frage unglücklich für Ballack und die Deutsche Nationalmannschaft. Begründet dieses Foul jedoch eine von vielen Fans geforderte Sperre Boatengs für die Weltmeisterschaft, oder hat diese Wut einen anderen Grund?
Man darf die Vorgeschichte nicht außer Acht lassen. Kevin Prince Boateng war bis 2009 Spieler in der deutschen U 21 Nationalmannschaft. Er entschied sich daraufhin jedoch, zukünftig für die ghanaische Nationalmannschaft anzutreten. Die deutsche Öffentlichkeit war empört. Umso empörter ist sie jetzt. Einige unterstellen ihm sogar Absicht, denn Ghana ist ein Vorrundengegner Deutschlands. Das ist eine ziemlich böse Unterstellung, und zeigt auch, dass solche Menschen keine Ahnung vom Fußball haben. Kein Spieler riskiert eine rote Karte in der 35. Minute eines Finales, bei dem es bei einem Sieg mehr Gage für den Spieler gibt als bei der Weltmeisterschaft. Boulevardzeitungen versuchen schon, sein Foul mit seiner Herkunft als „Weddinger Ghetto Kid“ zu erklären.
Ganz anders waren die Reaktionen nach dem Zweikampf Ballacks gegen den Argentinier Martin Demichelis, der daraufhin 5 Wochen verletzt war. Es gab nämlich keine.
Der ganze Hass auf Boateng, dem manche am liebsten sogar die deutsche Staatsbürgerschaft entziehen würden, und mittlerweile rassistische Züge trägt, lässt nichts Gutes für die WM erahnen. Wird es ein völkisches Fest, bei dem nicht der Fußball, sondern die Nation im Vordergrund steht?
82 Millionen gegen Boateng?
Veröffentlicht in Uncategorized am Mai 18, 2011 von grafdavÖde, öder, Prenzlauer Berg
Veröffentlicht in Uncategorized am Januar 22, 2012 von grafdavWir schreiben den 19.1.2012.
Draußen regnet es, es ist dunkel, es ist Januar. Ich stehe vor meinem Kleiderschrank und überlege, ob ich mal wieder meinen schwarzen Londsdale Pullover anziehe. Auf jeden Fall schwarz. Ich gehe schließlich zu einer Trauerfeier. 2 Tage zuvor starb meine Katze. Und nun schon wieder eine Trauerfeier.
Mein Telefon klingelt, Andi ruft an und fragt, ob wir eine Runde Skat spielen wollen und dabei ein paar Bier kippen wollen. Ich sage ihm, dass mir nicht danach ist, und dass ich auf eine Trauerfeier gehen muss.
Andi reagiert bestürzt und versucht, mit bedruckster Stimme sein Beileid auszusprechen. Ich nehme es an und lege auf.
Immerhin stirbt heute wieder ein Club, der Klub der Republik. Am 1.2.2012 beginnt der Abriss des geschichtsträchtigen Gebäudes, in welchem sich in den 1960er Jahren die Produktionsgenossenschaft des Handwerks befand. Der Linoleumboden, Schilder und Charme übernahm der Club nach dem Zusammenbruch des Sozialismus. Sogar aus dem abgerissenen Palast der Republik hängen Lampen. Hier wurde jahrelang gefeiert, getrunken und geraucht.
Und nun wird das Gebäude für den Bau von 31 Eigentumswohnungen “in gehobener moderner Ausstattung” abgerissen.
Ein Schlag in das Prenzlauer Berger Clubleben. Nach Clubs wie dem Magnetclub (in welchem jetzt ein Bioladen ist), dem Knaackclub, der seit 1952 bestand hatte und dem Icon trifft es nun auch den Klub der Republik.
Ein Schlag gegen die Demokratie, könnte man meinen wenn man die selbstbewusste Bezeichnung des Klubs der Republik ernst nimmt.
Ich verfluche mich, dass ich in Prenzlauer Berg wohne. Wenn ich weggehe, dann nur noch Friedrichshain/Kreuzberg oder Neukölln. Da steppt der Bär, hier hingegen steppt nur noch der Schwabe auf dem Steptrainer. In der Pappelallee, am Klub der Republik schaue ich noch mal auf das Transparent.
„Erst wenn die letzte Eigentumswohnung gebaut, der letzte Klub abgerissen, der letzte Freiraum zerstört ist, werdet ihr feststellen, dass der Prenzlauer Berg die Kleinstadt geworden ist, aus der ihr mal geflohen seid.”
Wie wahr. Ich zünde meine Friedhofskerze an und stelle mich zu den anderen Trauergästen. Etwa 70 sind gekommen um sich von dem Klub zu verabschieden.
Es geht mir aber nicht nur um den Klub, in welchem ich viele gute Abende hatte. Es geht auch um Verdrängung und Gentrifizierung. Es stellt sich die Frage, ob sich die Politik in den wirtschaftlichen Prozess einschalten sollte. Noch wohne ich in Prenzlauer Berg, aber bald kann ich die Miete nicht mehr zahlen. Ich wohne in der Storkower Straße. Ein paar Meter weiter ist ein Waschsalon. Ein Kumpel sagte mir, dass dies mal ein Goaschuppen war. Sie können ihre Wäsche waschen wie sie wollen, sie haben sich ihre Hände schmutzig gemacht. Vielleicht gibt es in 50 Jahren ja mal eine Dokumentation über Prenzlauer Berg und die Kulturverbrechen. Keiner hat davon gewusst, dass die Clubs alle schließen, keiner will es mehr gewesen sein. Ich als greiser Zeitzeuge, sage aus, über die wilde Partyzeit und wie uns die Freiräume genommen wurden. In Memoriam Klub der Republik.
Sport ist Mord
Veröffentlicht in Uncategorized am Januar 8, 2011 von grafdavFitnessstudio
Vor 3 Wochen schlenderte ich gedankenverloren durch die Gegend. Ich war auf Unterhaltung aus. Aber weder ein Fahrradfahrer packte sich auf die Fresse, noch ein Kind verlor sein Eis. Ich schaute gelangweilt auf die großen Reklametafeln in der Bornholmer Straße. „Sport tut Deutschland gut“ stand da in großen Lettern. Aha, dachte ich mir, und dachte dabei an Benni, meinen antideutschen Kumpel, der immer meint, dass Deutschland sterben muss. Ich überlegte, ob ich ihn anrufe und sage, er solle Adorno und den ganzen quatsch vergessen und den Sport bekämpfen. Ich tat es nicht. Denn plötzlich klang in meinem linken Ohr auch die Stimme meines Orthopäden, dann meines Allgemeinarztes, meines Sportlehrers. Es wurden immer mehr Stimmen, die sagten: „treib mehr Sport“, Sport ist gesund und „keine Macht den Drogen“. In meinem anderen Ohr plötzlich eine Stimme die sagte: „Sport ist Mord“. Die letzte Stimme war mir irgendwie sympathischer.
Ich guckte nach unten um auf meine Schuhe zu sehen, das mache ich immer wenn ich überlege, aber ich konnte sie nicht sehen. Mordsmäßig ist nämlich lediglich meine Plautze alias Schnitzelfriedhof, auf die ich lange stolz war und für die ich hart gekämpft hatte. Wieviel Bier, wieviele Döner und Pommes Schranke habe ich dafür wohl zu mir genommen?
Hmm, dachte ich mir, die Plautze muss weg. Aber wie, fragte ich mich. Ich erinnerte mich an meine Schulzeit. Dort war ich der klassenschnellste im Laufen. Ich kramte in meinem Kleiderschrank. Ich kramte lange, aber erfolgreich nach meinen alten Sportsachen. Meine Jogginghose fand ich als erstes, denn die benutze ich manchmal, wenn ich entspannt auf der Couch sitze und beim Fernsehen ein Bierchen genieße. Ich ging zum Jahnsportpark, um dort ein paar Runden zu laufen. Es war mir irgendwie peinlich, wie viele andere durch die Stadt wie ein gehetztes Reh zu rennen. Ich erschrecke mich ja selber immer, wenn hinter mir ein schnaufen zu hören ist, ich mich umdrehe und einen durchgeschwitzten älterern Mann erblicke, vor dem ich dann schnell zur Seite springe, denn er könnte mich umrennen und mit seinem Schweiß besudeln. Ich wollte es besser machen. Ich machte mir meinen Mp3 Player an, es tönte runaway von Linkin Park in meinen Ohren. Ich rannte eine Runde um das Stadion, vorbei an Yuppies und Mittdreißigern aus Prenzlauer Berg, wurde überholt von Jüngeren Fußballspielern. Aber schon nach einer Runde verspürte ich ein Stechen in der linken Seite. Noch 3 Runden schaffte ich, und war völlig erledigt. Wie habe ich das damals in der Schule geschafft, wo ich mich noch lustig gemacht hatte über die 2 dicken Mädchen, die nach einer Runde schon aufgaben und die ich mehrmals überrundete?
Resigniert ging ich nach Hause, bekam noch einen Krampf in der Wade und fiel erstmal auf die Couch.
Spaß war was anderes. Mir fiel die Stimme in meinem rechten Ohr wieder ein, sie sollte recht behalten haben mit dem mordenden Sport. Mein Mollenfriedhof war aber immer noch nicht weg. Gut dachte ich, dann halt auf die professionelle Tour. Ich meldete mich bei einem Fitnessstudio zu einem Probetraining an. Das kostete Überwindung, denn ich hatte immer eine tiefe innere Abneigung gegen Fitnessstudios. Vielleicht aber auch nicht gegen die Fitnessstudios selber, sondern gegen die Leute, die dorthin zum „pumpen“ gehen und in Picaldi Sportjacke breitschultrig die Gehwege blockieren.
Ich wurde begrüßt von einem ziemlich schmalzigen braungebrannten und muskulösen Typen, der mir in gespielter Freundlichkeit und Professionalität erklärte, was ich zu tun habe. Ich spielte mit und tat interessiert, aber das was er mir erzählte, 3 mal wöchentlich hingehen, aufwärmen, dehnen, interessierte mich einen scheißdreck.
Er zeigte mir den Gerätepool, ein Swimmingpool wäre mir lieber gewesen, Poolbillard auch, aber das gabs da nicht. Ich setzte mich an ein paar Geräte, an die Brustpresse und fing mit ein paar Gewichten an. Ich fühlte mich fehl am Platz, ich kam mir vor wie ein Taubstummer bei einem Klassikkonzert.
Plötzlich erschrak ich, hinter mir ein stöhnen, ich dachte es stirbt jemand. Ich drehte mich um und sah einen verschwitzten muskulösen Typen im Feinripphemd mit schmerzverzerrtem Gesicht an der Ruderzugmaschine. Ich dachte der Mann krepiert, aber wieso ließ er dann die beiden Griffe nicht einfach los? Ich überlegte kurz, ihn zu fragen, ob denn alles okay wäre und ob ich einen Arzt rufen solle. Aber der Gute schien Spaß daran zu haben, sich zu quälen. Verdammte Masochisten dachte ich mir. Ich ging zur Lastzugmaschine, man das sind auch komische Namen für diese Geräte, dachte ich mir. Aber auch da wieder laute Stöhngeräusche. Ich hatte die Schnauze voll von krepierenden Menschen und ging zum Laufband, denn ich wollte ja meinen Bauch loswerden. Vielleicht ging ich aber auch nur dahin, weil auf den Laufbändern der Frauenanteil recht groß war. Aber die Frauen schienen sich nicht für mich sondern nur für ihre Körper zu interessieren, die in meiner Betrachtung alle perfekt waren. Eine der Frauen ging alle 10 Minuten von ihrem Laufband auf die Wage, um zu gucken, wie viel Gramm leichter sie jetzt ist. Plötzlich kam in mir ein Gefühl hoch, es erinnerte mich an Wut. Ich wurde philosophisch. Reproduzieren nicht diese Menschen das Schönheitsideal, welches durch die Medien vorgegeben wird? Die Frauen wollen Topmodell werden, ja müssen es, um in der Männerwelt und im Freundeskreis Beachtung zu erlangen. Die Männer aber müssen muskulös sein, um in der Frauenwelt anklang zu finden. Es gibt ja auch schon Lifestyle Magazine für Männer… . Eins lag dortrum. Ich blätterte darin und mir kam die Galle hoch als ich las: „Die Besten Übungen für den perfekten Körper um bei den Frauen anklang zu finden. Jetzt mit Sixpack App für ihr Iphone“. Darunter: „Sie finden Ihr Geschlechtsteil zu klein? So können Sie ihn größer machen als er ist“.
Ein kalter Schauer durchschüttelte mich. Und ich unterstützte dieses Machwerk, obwohl ich hier sicherlich aus dem Rahmen viel. Ich betrat das Laufband. Im Hintergrund tönte laut Who’s That Chick von Rihanna ft. David Guetta. Das ist Musik die ich nie hören würde, deren Titel ich niemals kennen würde, aber dafür sorgen schon die Monitore die das dazugehörige Musikvideo abspielen, und auf die man unweigerlich gucken muss. Nach 30 Minuten laufen, ich spielte währrenddessen mit der Geschwindigkeit am Gerät und freute mich über die technischen Raffinessen, hatte ich mein Probetraining endlich beendet. Ich wusste ganz genau, dass ich dieses Folterkabinett voller Masochisten und Lifestylefreaks freiwillig nicht nochmal betreten würde, und deshalb schloss ich gleich einen 12 monatigen Knebelvertrag ab, um gezwungen zu sein, dort hin zu gehen, denn ich bezahlte ja schließlich dafür. Ich ging noch 2 mal hin. Aber es machte mir einfach keinen spaß. Die Umkleidekabine, in der es nach billigem Deo und Männerschweiß roch und die Typen, die nackt vorm Spiegel sich einen auf sich selbst herunterholten hielten mich mehr davon ab als die beschissene Musik, die gruseligen BizeptsTrizepsBauchpressenmaschinen und das geleckte scheißfreundliche Arschloch von Mitarbeiter. Lieber stehe ich zu meinem Bauch als auf Omega 3 und Omega 6 Fettsäuren zu unterhalten, und esse mein Schnitzel. Denn sonst hätten die Lifestylefaschisten gewonnen.
Schneechaos erschüttert Berlin
Veröffentlicht in Uncategorized am Dezember 3, 2010 von grafdav„Schneechaos erschüttert Berlin.“ „Berlin erstickt im Schnee“. „Der Terror ist weiß“. So oder so ähnlich wird morgen der Titelslogan der BZ lauten, da bin ich mir sicher. Aber noch ist nicht morgen. Noch wird Berlin erschüttert von den weißen Flocken, die vom Himmel fallen. Berlin ist dem Schnee hilflos ausgesetzt. Als ich gestern Nachmittag auf dem Weg zu einer Freundin war habe ich es auch zu spüren bekommen, den weißen Terror. Man steht stundenlang an einer Straßenbahnhaltestelle und wartet und wartet. Keine Ansagen, keine Anzeige. Die Haltestelle füllt sich, mit Leuten die mit einem warten. Dann endlich nach einer gefühlten Stunde kommt eine Bahn. Überfüllt mit Leuten, die nach Hause wollen, die endlich ihren Feierabend auf der Couch vor dem Fernsehen verbringen wollen. Ich quetsche mich in die Bahn, „Entschuldigung“ sagt eine Dame, die mir versehentlich auf den Fuß trat. Ich versuche ruhig zu bleiben. Die Bahn fährt an, und bleibt auf der Kreuzung stehen. 10 Minuten lang. In dieser Zeit merke ich wie die Luft dünner wird. Ich merke wie mich dass pausenlose Kindergeschrei nervt, irgendwo in der Bahn, ich kann das Gör nicht erkennen was meint, es bräuchte jetzt Aufmerksamkeit. Ich merke meinen ansteigenden Puls. Ich bräuchte jetzt eine Zigarette. Früher konnte man in der Bahn noch rauchen denke ich mir, früher war sowieso alles besser, wie Opa immer sagt, der auch früher schon alt war, gezeichnet vom Krieg. Ich will aussteigen, aber die Tür ist zu. Ich erblicke den Notausstieg. Aber es ist kein Hammer dabei. Sehr leichtsinnig von der BVG, denke ich mir, wenn jetzt Panik ausbricht, keinen Hammer dazulassen. Aber vielleicht würden die Leute sich sonst mit dem Hammer gegenseitig totschlagen. Eine sehr gute Idee also, diese Nottüröffnung. Aber ich traue mich nicht, auch wenn ich im Kopf schon mehrmals an diesem roten Drehdings gedreht habe. Dann endlich, die Bahn fährt an, die Gereiztheit in der Bahn geht spürbar zurück. Doch dann hält die Bahn wieder. Ich raste innerlich aus. Ruhig bleiben denke ich mir, Wuuuzzzzaaaaa. Die Bahn fährt wieder an. Die Frau mit der sexy Stimme aus dem Lautsprecher sagt: „Sandinostraße“. Noch 6 Stationen. Die Bahn hält an der Haltestelle Sandinostraße. Ich springe raus, weil Leute hinter mir rauswollten, denn wäre ich nicht gesprungen hätten die mich schon rausgeschubst. Ich steige wieder ein. 2 Kinder im Türraum meinten, sie seien ganz lustig, und hielten ihre Finger in die Tür bevor diese schloss. Die Türen gingen wieder auf. Ein raunen ging durch die Bahn. Mein Kopf fing an, wie wild Mordspläne zu schmieden. Was könnte man mit diesen Kindern machen. Hass stieg in mir auf. Ein Mann hinter mir fing plötzlich an, wie wild auf seinem Kaugummi zu kauen. Dieses schmatzen. Ich starrte den Mann mit rotem Kopf und starr aufgerissenen Augen an. Er erschrak, und ich vor mir selbst. Ein Pulsmessgerät hätte meinen Puls sicherlich als nicht mehr messbar angezeigt. Die Bahn fuhr langsam, sehr langsam weiter. Plötzlich die Ansage. Allerdings nicht mehr die Stimme von der Sexy Frau, die ich wirklich gerne mal privat kennen lernen möchte sondern die Stimme eines Proletetariers: „Weerte Fahrjäste, aufjrund von Bauarbeiten, fährt diesa Zug nur bis Werneuchnastraße. Bitte alle aussteijen. Mir wurde fast schwarz vor Augen, es kochte und brodelte in mir, während es plötzlich in der Bahn laut wurde. Stimmen wie „das kann ja wohl nicht war sein“ und „verdammte scheiße“ überkreuzten sich. Beim aussteigen gingen einige Leute noch zum Fahrer und bepöbelten ihn. Ich dachte mir, naja, die nächste Bahn wird sicher gleich kommen. An der Haltestelle sah ich dann auch endlich das quängelnde Kind und deren Mutter, deren prekarische Herkunft nicht zu übersehen war. Ich verfluchte, dass ich kein Auto hab. Die nächste Bahn war in Sicht, ich freute mich, nun endlich nach Hause zu kommen. Aber die Bahn fuhr einfach an uns vorbei, mit angeschalteten Notblinkern aber beleuchtet. Hätte die nicht einfach halten können und uns mitnehmen. Ich schreibe schon von uns. Ich spürte dass sich eine Art Schicksalsgemeinschaft bildete. Ich dachte mir, dass muss ich nutzen. Die nächste Bahn hielt. „Betriebsfahrt“. Die Schaffnerin öffnete die Türen, um die Weiche umzustellen. Von allen guten Geistern verlassen aber geistesgegenwärtig nutzte ich diesen Augenblick und huschte in die Bahn, die Leute heranwinkend. Unter dem Jubel der Massen setzte ich mich ins Führerhaus, drückte den roten Knopf „Türen schließen“ und betätigte den Hebel. Die Straßenbahnfahrerin sprang zur Seite, denn die Bahn fuhr an. Ich zündete mir eine Zigarette an. Endlich rauchen, dachte ich mir und drückte auf den grünen Sprachknopf: „Kampfgenossen, hier spricht euer Führer. Die Fahrt der Partybahn beginnt. Nächste Haltestelle Kaufhalle. Freibier für alle.“ Unter Jubel setzte ich die Fahrt fort… So oder so hätte es sein können. Aber der letzte Teil mit dem selber fahren, dem rauchen, dem Freibier, dass sponn sich mein Kopf zusammen. Denn ich stand immer noch an der Werneuchener Straße und wartete auf meine Bahn. Ich hatte genug. Ich lief, wutentbrannt. Denn so weiß ich wenigstens, dass ich bald bei meiner Freundin bin. Dass in den nächsten 10 Minuten gleich 4 Bahnen an mir vorbeifuhren war mir dann auch egal. Selbst ist der Mann, dachte ich mir. Und am nächsten Tag sehe ich am Aufsteller meines Stammkiosks die Überschrift der BZ: „Schnee: Winter-Chaos in Deutschland“. Na wer sagts denn.
Ich und Honecker
Veröffentlicht in Uncategorized am November 29, 2010 von grafdav
Das Dritte Reich interessierte mich, genauso wie aber auch die DDR mich interessierte, faszinierte und die ich manchmal sogar gerne zurückhaben wollte. Spätestens 2003 wollte ich die DDR zurück, als die Ostalgiewelle mit dem Film Good Bye Lenin, den ich weinend im Kino sah, in Deutschland entsprang. Ostalgieshows mit den üblichen Verdächtigen wie Katarina Witt bekamen die besten Sendezeiten im Fernsehen über eine Zeit in der nicht alles schlecht gewesen sei. Jeder hatte Arbeit, keiner musste verhungern, es gab keine großen sozialen Unterschiede. Nur wie sollte ich das anstellen, die Mauer wieder aufbauen? So viel Beton hatte ich jedoch nicht. Aber mir fiel ein, dass doch da noch die Mauer in den Köpfen war. Ich erinnere mich noch gut, wie mein Vater schimpfend in unserem gelben Trabant auf ein westdeutsches Auto zufuhr und „nun fahr doch mal du scheiß Wessi“ brüllte. Das faszinierte mich, weil mein Vater sonst nie flucht und ich freute mich. Nun bin ich derjenige der im Auto sitzt und „scheiß Wessi“ brüllt, eines meiner Lieblingsfluchwörter. Bei Ebay bestellte ich mir einen roten Spielzeug Barkas B1000 aus Plaste, und sowieso die Dinge die mich an meine Kinderzeit erinnerten. Glücklicherweise gibt es in Malchow noch einen NVA- Armee Laden. Dort bekommt man noch alles aus der Zeit vor 1989. DDR- Gewürze, Blauhemden und Uniformen. Für 10 Euro holte ich mir eine DDR Uniform, die ich immer noch gerne anziehe, wenn ich mit Freunden Risiko spiele. Wenn man meiner Kriegsdienstverweigerung glauben schenken würde, könnte ich Uniformen und den Dienst mit der Waffe nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Aber in Wirklichkeit faszinierte mich der Krieg. Ich zog meine DDR Uniform auch an, als ich einen Kumpel von mir in der Julius Leber Kaserne besuchte. Beim Einlass versteckte ich sie noch in meinem Rucksack und zog sie dann an, und ging an den grauen und tristen Fassaden der Kasernen mit meiner Uniform bekleidet, mit Zigarre im Mund entlang. Plötzlich erschrak ich, ein 3er Trupp kam auf mich zu und zu meiner Überraschung salutierte er beim vorbeigehen. Als ich im Nachhinein einen Kumpel von mir fragte, wie das passieren konnte erklärte er mir, dass es in den Kasernen auch viele Gastoffiziere aus anderen Ländern gäbe und sie wohl fälschlich dachten, ich sei einer. Mein Land ist nämlich 1990 annektiert und aufgelöst worden. So besuchte ich meinen Kumpel in seiner Kaserne, der gelangweilt einen Telefonapparat bewachen musste. Als ob ein Telefon schießen konnte dachte ich mir. Seine Stube war mit Postern von nackten Frauen bekleistert und ich befürchte, der Kleister war sehr natürlicher Art. Ich war froh, Zivildienst zu leisten, denn es war alles sehr trist. Wir kamen auf die Idee, noch Abendbrot in der Kantine zu essen, die allerdings nur für Bundeswehrsoldaten bestimmt war. Wir gingen zur Kantine, während etwas weiter weg ein Offizier, Spieß oder wie auch immer diese Ränge der armseligen Menschen hießen, die ihr kleines Ego an hilflosen Bundis aufwerteten, seine Untergebenen anschrie. In der Kantine ließen wir uns es schmecken, und mir hatte trockenes Graubrot noch nie so gut geschmeckt wie dort, weil ich nichts zahlen musste. Eine Truppe von Bundis guckte mich jedoch missgünstig an, und ich fragte mich ob diese wohl verdacht geschöpft haben. Ich bestellte mir noch ein Bier, und ich verließ meinen Kumpel uniformiert und fuhr durch ganz Berlin mit meiner Uniform, wobei mich viele Leute anlächelten. So schlimm kann es also nicht gewesen sein in der DDR? Meine Eltern fluchen wenn sie von der DDR erzählen, von Stasi, Verfolgung und eingesperrt sein. Aber sie fluchen auch über die BRD, weil sie vor einiger Zeit einen Immobilienanteil kauften und bis heute kein Geld dafür gesehen haben. 20 Jahre nach der Wende von 1989 kaufen die Leute wie wild bei Ebay Sachen aus der DDR, weil sie unverwüstlich sind und nicht auf Verschleiß hin gebaut wurden, denn der Kapitalismus wächst nur aufgrund der Kapitalverwertung. Heute gibt es Prämien wenn man funktionierende Autos verschrotten lässt um sich neue zu kaufen, Fahrrad- und Elektrohändler machten es nach. Ich könnte noch mehr aufzählen, woran dieses System krankt. Die DDR will ich nun nicht mehr wiederhaben, es war eine Mangelwirtschaft, ich hätte arbeiten müssen, wäre aufgrund meiner christlichen Herkunft benachteiligt worden und und und. Aber ich wehre mich gegen die Gleichsetzung des Dritten Reiches mit der DDR, wie sie z.B. ein Hubertus Knabe vertritt, in dessen Stasiknast Hohenschönhausen ich ein 6-Wöchiges Praktikum absolvierte. In der DDR gab es keinen Holocaust und es wurde kein Weltkrieg angezettelt. Lange saß ich mit meinem besten Kumpel Johannes in alternativen Kneipen und schrieb Reden, über die Verwirklichung des Sozialismus, des Kommunismus. Ich wollte ein moralpolitisches Manifest für alle mit Anknüpfung an Karl Marx schreiben. Meine Lieder handeln von einer klassenlosen Gesellschaft, und ich stelle es mir sehr einfach vor. Populismus, eine Menge mitreißen, und das am besten vorm Kanzleramt, das wäre es doch gewesen. Ich konnte sie nie verstehen, die Spießer, die meinten, das gehe nicht. Sie alle haben ihre Träume verraten, da war ich und Johannes mir sicher und prosteten uns zu. Ich verteilte schon die Ministerposten an meine Freunde, Benni wollte unbedingt Frauenminister werden, Georg Minister für das Bauwesen usw. Auch im Studium brannte sie in mir, die Flamme der Revolution. Mein Genosse und Kamerad Johannes ging dann jedoch auf Wanderschaft, ich verliebte mich in eine Juso-Tante und plötzlich wurde es alles schwerer. Auf den Magdeburger Montagsdemos kamen am Schluss nur noch 10-15 Leute, ein trübsinniger Haufen, während die anderen Blindlings ins Kaufhaus stürmten, um sich glücklich zu kaufen. Gemeckert wurde viel, aber während ich bereit war, mein leben für die Gute Sache zu opfern, waren die anderen nicht mal bereit, eine Stunde Fernsehen zu opfern und mir zuzuhören. Zu meinen Leseabenden oder Liederabenden kamen immer nur die üblichen Verdächtigen, egal wie viel Agitprop ich machte. Mich holte eine Sinnkrise ein, die sich in Depressionen äußerte und ich vorerst an mein persönliches Glück zu denken anfing. Eine „wenn ihr nicht wollt, dann pech gehabt-Stimmung“ machte sich in mir breit. Aber ich glaube weiterhin daran, dass es den meisten Leuten immer schlechter geht, dass das Verdummungsfernsehen und Feierabendbier irgendwann nicht mehr reicht, um die Leute vom demonstrieren und Aufstehen abzuhalten, dass die Wut über die Unterschiede zwischen Arm und Reich, die in Kneipen zu Tage kommen, irgendwann mal die Kneipen verlassen und im Kanzleramt enden. Bis dahin lass ich mir den Vorwurf gefallen, Geschichtsrevisionist zu sein. Es macht mir einfach zu viel spaß, die Leute zu provozieren.
Ein Missbrauchsopfer spricht
Veröffentlicht in Uncategorized am Oktober 8, 2010 von grafdavIn den vergangenen Tagen war mein Blog so beliebt wie nie zuvor. Eigentlich ist das eine schöne Sache. Schade nur, dass das Interesse scheinbar lediglich daraus bestand, meine Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen. Ich schreibe diesen Text am Computer in einer Klinik, in der ich mich seit 6 Wochen therapieren lasse. Ich leide seit 2 Jahren an Depressionen und Angsterkrankung. Zuvor hatte ich bereits zahlreiche Krankheitssymptome, die mir das Leben sehr schwer machten. Ich machte eine lange Ärzteodyssee durch, in der die Ärzte mir immer wieder versicherten, ich sei gesund, obwohl ich Atembeschwerden, Magenbeschwerden, Schlafstörungen uvm. hatte. Die Schmerzen häuften sich und wechselten sich ab, ich beendete mein Studium im August 2009 mit letzter Kraft. Meine Hausärztin war die erste, dich mich darauf hinwies, dass ich an einer Depression leide. Seitdem nehme ich Antidepressiva um das Leben halbwegs zu ertragen. Daraufhin kam die Frage auf, warum ich an Depressionen leide. Zurückblickend begann mein Leiden, als ich mich auf eine Frage hin mit einer Geschichte befassen musste, die 2001 stattfand und seitdem andauert. Ich bekam zu meinem Geburtstag im Jahr 2001 eine Urlaubsreise von unserem Pfarrer P.W. geschenkt, in welcher er mich sexuell missbrauchte. Was P.W. im Detail von mir verlangte und mit mir machte, darum soll es hier nicht gehen. Fakt ist, dass ich von ihm sexuell missbraucht wurde. Und dass ich an den Folgen dieses Missbrauchs bis heute leide. Nachdem ich eine Traumatherapie machte, um das Ereignis zu verarbeiten, hatte ich gehofft, wieder am Alltag, am Leben teilnehmen zu können. Ich hatte mich jedoch geirrt. Plötzlich kam der Fall in die Öffentlichkeit. Das hatte ich nicht gewollt, ich wollte lediglich, dass er nicht mehr mit Jugendlichen, wie ich 2001 einer war, wegfährt und sich an ihnen vergreift. P.W. musste die Dienststelle verlassen. Die Kirchengemeinde wusste zuerst nicht, was passiert ist, denn es wurde u.a. mir auferlegt, über den Fall zu schweigen, solange über den Sachverhalt verhandelt wurde. In dieser Zeit hieß es, P.W. sei krankheitsbedingt nicht mehr im Dienst. Wenn ich von Gemeindemitgliedern gefragt wurde, ob ich denn mehr wüsste verneinte ich. Es war nicht sehr einfach, schon wieder schweigen zu müssen. Ich schwieg auch noch, als die Gerüchte herumgingen. In der Zeitung stand das Jahr, in dem der Vorfall des sexuellen Missbrauchs stattgefunden hat, nämlich 2001. Viele wussten, dass ich in diesem Jahr mit P.W. im Urlaub war und schlossen folgerichtig auf mich. Missbrauch? Was nicht sein darf kann nicht sein. Viele Leute, von denen ich einst viel hielt, reagierten empört auf den Vorwurf und stellten sich hinter P.W. Plötzlich kam die Frage auf, wer denn der Böse sei, der den armen Mann angezeigt habe. Wer 1 und 1 zusammenzählen konnte wusste, dass mein Vater dahinter steckte. Briefe landeten im Briefkasten meinter Eltern, in denen ich als Lügner, Drogenkonsument und Verräter tituliert wurde. Menschen distanzierten sich von meinem Vater und hielten zu P.W. Ich konnte die Welt nicht mehr verstehen. Ich, als Opfer sexuellen Missbrauchs sage die Wahrheit um andere zu schützen und stehe plötzlich als Nestbeschmutzer und Übeltäter dar, während der Täter als Opfer da steht. Plötzlich ist der Rückhalt, die Kirche, die Gemeinde ein Hinterhalt geworden. Plötzlich stelle ich mir die Frage, wo Nächstenliebe, ja letztlich die christlichen Werte hin sind. Ich habe mich an das achte Gebot “Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten” gehalten. Hat P.W. das auch getan? Nun ja, ich möchte nicht verschweigen, dass ein großer Teil der Gemeinde hinter meinem Vater und mir steht und mir glaubt. Aber es gibt auch einen anderen Teil. Es ist kein schönes Gefühl, wenn einem nicht geglaubt wird sondern man als Lügner tituliert wird. Wieso hätte ich lügen sollen? Ich hatte Angst vor der Wahrheit, die Wahrheit auszusprechen, und vor allem Scham vor dem, was mir passiert ist. Ich schluckte es 7 Jahre herunter und gab mir die schuld, mich damals nicht gewehrt zu haben. Ich weiß jetzt, woher meine Depression kommt, kann mir mein mangelndes Selbstwertgefühl erklären und hoffe nun, endlich wieder zu leben und nicht mehr vegetieren zu müssen. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg.
Über Schwaben und andere Gruppen am Rande
Veröffentlicht in Uncategorized am Oktober 1, 2010 von grafdavAls ich noch in Magdeburg wohnte, da sehnte ich mich nach Berlin. Nach den vielen Sprachen, Dialekten, die man säuseln hört, wenn man die Schönhauser Allee in Richtung Alexanderplatz entlang läuft. Auf Unverständnis stieß ein Kumpel von mir, der, als er mich in Magdeburg besuchte, als erstes raushauen musste: „Man hast du es hier gut, hier sind ja kaum Ausländer.“ Mit dem Verweis auf den niedrigen Ausländeranteil hatte er recht, denn außer paar ausländischer Studierende, die sich in den stinkenden Wohnheimen verkrochen und den Dönerimbissverkäufern waren es eher Elektroneger, die die Straßen Magdeburgs bunter machten. Elektroneger, die Augenbrauen zupfende junge Generation, die ihr Geld in Assitoastern, bzw. Solarien lassen waren von Geburt aus jedoch weiß und aßen von Geburt an Zuckerrüben.
Vom Schlag der Menschen erinnerte es mich sogar stark an meinen Heimatbezirk Hohenschönhausen, diese ruppige, unfreundliche Lebensart war mir also bekannt. Das Beste an Magdeburg war der Regionalexpress nach Berlin, und meine Ankunft dort war immer wieder ein positiver Kulturschock für mich. Nun wohne ich in der Schönhauser Allee und habe sie wieder um mich, die Sprachen, Dialekte, die in Magdeburg zwischen „Willsu vors Maul“ und „scheiß Wessi“ variierten. Aber dieses „Oh that looks so nice“, wenn eine Gruppe von Touristen vorm Konnopke Imbiss steht, geht mir schon ganz schön auf den Geist, und ich frage mich manchmal, wie Engländer überlebensfähig sind, wenn immer nur „oh thats so wonderful and amazing“ aus ihren Mündern kommt. Besser wird es auch nicht, wenn mir eine Armada von Kinderwagen entgegen kommt, die dann in schwäbisch zu mir sagen „können Sie nicht awäg gehe, isch hab ei Kinderwägele dahanne.“ Als ich noch in Magdeburg studierte wusste ich nicht, warum meine Schwester immer erbost über Schwaben redete. Aber als ich beim betreten meiner Lieblingskneipen plötzlich nur noch Tannenzäpfle angeboten bekam und ich den schwäbischen Dialekt immer öfter wahrnahm wusste ich was sie damit meinte. Nun flüchte ich gerne auch in die Musikkneipe „Doors“ die auf ihrer Eingangstür auf eine „schwabenfreie Zone“ hinweist wenn ich mal meinen Heimatdialekt hören will und freue mich dabei über jedes „Halts Maul alter“. Als ich letztens mit meinem Bandkollegen Alex auf einer offenen Bühne spielte und er sich für seinen Berliner Dialekt, der ja insbesondere durch seinen Akkudativ berühmt ist, entschuldigte, riefen mehrere Leute: „Mach weiter so“. Es ist vielleicht etwas seltener geworden, dass Berlinern. Ich schließe mich gerne auch dem „Zugezogenen- Bashing“ an. Das macht nämlich spaß und verbindet. Um das Nicht-Berlinern jetzt zu erklären. Die Mieten sind teurer geworden, ich kriege als Urberliner nicht mal einen Platz an einer Berliner Uni und ich brauche ein Feindbild über das ich meckern kann. Da bietet es sich doch an, gut verdienende Menschen mit einem anstrengenden Dialekt dafür verantwortlich zu machen. Auf Berlinerisch würde ich das mal so sagen: „Icke, icke bin Berlina! Wer mir haut, den hau ick wieda!“
„Wir sind ein Volk, ihr seid ein anderes“ stand auf mehreren Plakaten in Prenzlauer Berg. Dem Vorwurf, dies sei lokalrassistisch, erinnere an Parolen wie „Ausländer Raus“ stimme ich zu. Aber wieso sollte ich tolerant sein, wenn diese nur geheuchelt ist wie im „weltoffenen Bayern wo die Welt noch in Ordnung ist“? Ich spreche eigentlich sehr gutes Hochdeutsch, aber erwische mich immer mehr beim Berlinern, wahrscheinlich um zu betonen woher ich komme und freue mich über jeden der selbiges tut. „Be Berlin“ heißt die Millionenschwere Imagekampagne. Ich habe jedoch kein Bedürfnis auf diesem Hype mitzuschwimmen, und es cool zu finden dass jetzt jede Kneipe eine Cocktail Lounge wird, das Spreeufer mit gläsernen Büros bebaut werden soll und Berlin das neue London, Paris werden soll. Ich mag das Berlin in dem ich aufgewachsen bin, mit grauen Fassaden, Ruinen in denen man rumtoben konnte. Von daher habe ich mir in Prenzlauer Berg auch eine Wohnung in solch einem Haus gesucht, von dem der graue Putz von den Wänden fällt, und alles noch so ist wie vor langer Zeit. Der Vermieter versicherte mir, dass in den nächsten 2 Jahren dies auch so bleibe, und gewann mir so ein nostalgisches Lächeln ab, da ich nun meine Insel gefunden habe.
